Landtagsabgeordneter Stefan Ebner (2. v.r.) besuchte den Technologie Campus Grafenau. Prof. Dr. Wahl (links), die wissenschaftliche Leiterin Prof. Dr. Diane Ahrens (2. v.l.) und Geschäftsführer Tobias Neumann stellten Dr. Ebner ihre Arbeit und aktuelle Pr
Der TC Grafenau wurde 2013 gegründet und beschäftigt heute 38 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Was einst mit dem Schwerpunkt Logistik begann, hat sich mittlerweile zu einem Forschungszentrum für Digitalisierung und Künstliche Intelligenz entwickelt. Prof. Dr. Ahrens, die neben der wissenschaftlichen Leitung auch den Forschungsbereich „Smart Region“ für Digitale Transformation im ländlichen Raum verantwortet, arbeitet dabei eng mit Kommunen und der regionalen Wirtschaft zusammen.
Gleich zu Beginn des Besuchs stellte das Team „AI4CARE“ um Prof. Dr. Wahl das Projekt SOVIA vor – Soziale Virtuelle Assistenz. Dabei handelt es sich um einen KI-gestützten Gesprächsassistenten, der älteren Menschen bei Einsamkeit helfen soll. Dass dieses Projekt überhaupt umgesetzt werden konnte, ist maßgeblich dem Einsatz von Ebner zu verdanken: Er hat sich dafür eingesetzt, 250.000 Euro aus der Fraktionsreserve der Regierungsfraktionen für SOVIA bereitzustellen. Ohne diese Förderung wäre das Projekt in dieser Form nicht realisierbar gewesen.
Der Hintergrund ist ein ernster: 65 Prozent der älteren Menschen klagen konkret über Einsamkeit. Das bedeutet für viele eine erhebliche Einschränkung ihrer Lebensqualität. SOVIA setzt genau hier an – nicht als therapeutisches Angebot, sondern als niedrigschwellige Möglichkeit, Einsamkeit zu lindern. Die Betroffenen sollen sich ganz ungezwungen mit dem System unterhalten, Alltagsgedanken teilen und vertraute Gesprächspartner finden können, wenn menschliche Kontakte fehlen.
"Was mich an SOVIA besonders beeindruckt, ist der Ansatz: keine Diagnose, keine Bevormundung – einfach zuhören und alltägliche Gespräche führen. Das trifft einen echten Bedarf bei älteren Menschen in unserer Region", sagte Ebner nach dem Besuch.
Wichtig ist dem Forschungsteam dabei der Datenschutz: Das System ist bewusst nicht in eine Cloud eingebunden. Auch ethische Fragen stehen im Mittelpunkt der Entwicklung. Derzeit läuft eine Feldstudie in Seniorenhaushalten, der nächste Schritt ist eine umfassende vierwöchige Erhebung. Vergleichbare Projekte gibt es nach Angaben des Teams bisher nicht.
"SOVIA zeigt, welches Potenzial Forschung für die Menschen vor Ort haben kann. Ich bin froh, dass wir dieses Projekt mit Fraktionsmitteln ermöglichen konnten", betonte Ebner.
Darüber hinaus stellte Prof. Dr. Ahrens weitere geplante Projekte vor, etwa ein prognosebasiertes Bussystem und den Einsatz von KI in kommunalen Verwaltungen. Sie machte aber auch deutlich, unter welchem Druck der TC Grafenau arbeitet: Die Grundfinanzierung durch das Wissenschaftsministerium deckt Betriebskosten wie Miete und Fixkosten, enthält aber keine Personalstellen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie laufende Vorhaben müssen über Projektmittel finanziert werden. "Wir sind gut aufgestellt, aber wir brauchen laufend neue Projekte, um unsere Arbeit fortführen zu können", erklärte Ahrens.
Ebner sicherte dem TC Grafenau seine weitere Unterstützung zu. "Der Technologie Campus ist ein echter Gewinn für die Region – als Arbeitgeber, als Forschungseinrichtung und als Partner für unsere Kommunen und die Wirtschaft. Diesen Standort zu stärken, ist mir ein persönliches Anliegen." Prof. Dr. Ahrens zeigte sich über den Besuch erfreut und dankte Ebner für sein kontinuierliches Engagement.