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17.08.2026 | REG,FRG

Vom Landtag ins Dickicht des Bayerischen Waldes

Bodenfallen aufstellen, durchs Dickicht schlagen, Flugfensterfallen kontrollieren – das ist normalerweise nicht der Alltag eines Landtagsabgeordneten. Stefan Ebner hat genau das trotzdem getan. Der CSU-Abgeordnete hat einen Nachmittag lang die Arbeit zweier Nachwuchsforscher im Nationalpark Bayerischer Wald hautnah miterlebt – und dabei selbst angepackt. Für ihn ist der Nationalpark nicht nur Naturschutzgebiet, sondern ein bedeutender Arbeitgeber und ein zentraler Teil der Identität in der Region. Grund genug, sich einmal selbst ein Bild davon zu machen, was dort täglich passiert.

Stefan Ebner (mitte) mit den Forschern Ludwig Lettenmaier und Lisa Grunwald.
Im Rahmen seiner Sommertour ist Landtagsabgeordneter Dr. Stefan Ebner aktuell im gesamten Stimmkreis unterwegs. Bei Besuchen in Unternehmen, Einrichtungen, Kommunen und Handwerksbetrieben sucht er gezielt das Gespräch mit den Menschen vor Ort. Die persönlichen Einblicke in ihre Arbeit, ihre Anliegen und Herausforderungen liefern wichtige Impulse für seine politische Arbeit im Bayerischen Landtag. Gleichzeitig dient die Sommertour dazu, nah bei den Bürgerinnen und Bürgern zu sein und gemeinsam Perspektiven für eine starke und lebenswerte Zukunft der Region zu entwickeln.

Der Startpunkt war die Nationalparkverwaltung in Grafenau, wo Ebner zunächst Nationalparkleiterin Ursula Schuster traf. Mit über 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist der Nationalpark ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor für die Region, und Schuster gab dem Abgeordneten einen ersten Einblick in die Vielfalt der Aufgaben: Umweltbildung, Borkenkäfermanagement, Forschung usw. – der Nationalpark deckt ein breites Spektrum ab. Strukturell ist er in verschiedene Zonen aufgeteilt: Den Großteil bildet die Naturzone, in der die Natur sich selbst überlassen bleibt. Rund 25 Prozent entfallen auf die Managementzone im Randbereich, in der aktives Borkenkäfermanagement betrieben wird. Schuster freute sich sichtlich über den Besuch und die damit zum Ausdruck gebrachte Wertschätzung der Arbeit des Nationalparks. Es sei der erste Rollentausch dieser Art für den Nationalpark gewesen – und er sei gerne ermöglicht worden.

Dann ging es raus ins Gelände. Begleitet wurde Ebner von der Doktorandin Lisa Grunwald und dem Doktoranden Ludwig Lettenmaier. Als Deutschlands ältester und zugleich größter Waldnationalpark bietet der Nationalpark Bayerischer Wald eine einzigartige Grundlage für Forschung: Hier lassen sich natürliche Prozesse in Wäldern untersuchen, in denen menschliche Eingriffe weitgehend ausbleiben – eine Besonderheit in Mitteleuropa.

Grunwald untersucht im Rahmen ihrer Dissertation, ob sich die Folgen eines Buchdrucker-Befalls positiv auf Moore auswirken können. Um in Mooren Forstwirtschaft zu betreiben, wurden diese in der Vergangenheit mithilfe von Entwässerungsgräben trockengelegt und mit Fichten bepflanzt. An einem von Menschen renaturierten Moor erklärte sie dem Abgeordneten, warum Moore weit mehr sind als nasse Landstriche: „Moore speichern im Torf eine Menge Kohlenstoff, halten Wasser in der Landschaft zurück und besitzen zudem eine charakteristische Tier- und Pflanzenwelt, wodurch sie eine wichtige Rolle im Klimawandel und beim Erhalt der Artenvielfalt spielen.“

Um die Rolle des Buchdruckers zu untersuchen, erfasst Grunwald mithilfe von Bodenfallen und Vegetationsaufnahmen die Artenvielfalt der bodenlebenden Insekten und der Pflanzen. Dies zeigte sie Ebner auf einer weiteren Fläche, auf der vor rund 20 Jahren der Buchdrucker auftrat und wo eine positive Entwicklung des Moores zu erkennen ist. An einer weiteren Fläche, die durch die natürliche Tätigkeit des Buchdruckers passiv renaturiert wurde, stellt Grunwald Bodenfallen auf, um die Insektenvielfalt zu erfassen, und fertigt Vegetationsaufnahmen an. Hier durfte Ebner selbst tätig werden: Er entleerte Fallen, die rund vier Wochen zuvor ausgelegt worden waren. „Es ist eine ganz andere Erfahrung, das nicht nur erklärt zu bekommen, sondern selbst dabei zu sein", sagte er.

Anschließend führte Lettenmaier den Abgeordneten in die Borkenkäfer-Managementzone. Seine Doktorarbeit schreibt er zum Thema Rehverbiss und dessen Auswirkungen auf die Artenvielfalt im Wald. Auf dem Weg dorthin erläuterte er auch praktische Methoden des Borkenkäfermanagements in der Managementzone. Das Entfernen borkenkäferbefallener Bäume ist zwar wirksam, stellt aber den stärksten Eingriff in das Ökosystem des Nationalparks dar. Wo es möglich ist, kommen deshalb auch naturschonende Maßnahmen zum Einsatz. Beim Entrinden mit dem Debarkingharvester bleibt das Totholz im Wald und damit als Lebensraum erhalten. Noch artenfreundlicher ist das sogenannte streifenförmige Entrinden: Mit einem speziellen Aufsatz auf der Motorsäge werden auf kompletter Baumlänge Streifen in die Rinde geschnitten. So ist der Stamm für den Buchdrucker brutuntauglich, die verbleibende Rinde bietet totholzbewohnenden Insekten und Pilzen weiter ein Lebensraum- und Nahrungsangebot. „Das streifenförmige Entrinden schont die Artenvielfalt und den Boden, da die Bäume nicht aufwändig mit schwerem Gerät aus dem Wald transportiert werden müssen. Darüber hinaus wird der Buchdrucker genauso effektiv bekämpft wie beim kompletten Entrinden der Stämme ", so Lettenmaier. Den Abschluss des Nachmittags bildete eine Flugfensterfalle in der Managementzone, mit der die Käferartenvielfalt erfasst wird – ein wichtiges Instrument, um die Entwicklung der Artenvielfalt des Ökosystems zu beobachten.

Ebner zeigte sich am Ende beeindruckt: „Was Lisa Grunwald, Ludwig Lettenmaier und ihre Kolleginnen und Kollegen hier täglich leisten, verdient großen Respekt. Ich nehme von diesem Nachmittag ein viel tieferes Verständnis dafür mit, was dieser Nationalpark für unsere Region bedeutet – nicht nur als Naturraum, sondern auch als Ort der Wissenschaft." Er bedankte sich ausdrücklich bei den beiden Forschern, die sich ihrerseits über das persönliche Interesse des Abgeordneten erfreut zeigten.