MdL Dr. Stefan Ebner (l.) im Austausch mit VdK-Geschäftsführer Helmut Plenk.
Helmut Plenk berichtete aus seiner langjährigen Praxis im Sozialrecht und aus den aktuellen Diskussionen der Rentenkommission, in der er Mitglied ist. „Wenn Menschen merken, dass sie ihr eigenes Rentensystem nicht mehr verstehen und sie ihre Altersabsicherung in Gefahr sehen, dann werden sie nervös – und das zu Recht“, so Plenk. Die Unzufriedenheit sei groß, was auch damit zusammenhängt, dass das System für viele schlicht nicht mehr durchschaubar sei.
Besonders eindrücklich waren die Zahlen aus dem Landkreis Regen: Die durchschnittliche Rente liege bei rund 1.400 Euro bei Männern und nur etwa 800 Euro bei Frauen, berichtete Plenk. Ein Rentenpunkt entspreche derzeit einem Bruttojahreseinkommen von rund 52.000 Euro. Fazit: Lebensleistung und tatsächliche Absicherung über die gesetzliche Rente haben sich immer mehr auseinanderentwickelt. Auch die Diskrepanz zu den Pensionären spiele eine Rolle bei der Bewertung der Fairness in der Altersversorgung.
Kritisch beleuchtete Plenk auch das Thema Betriebsrente, das als wichtige Säule für die Altersabsicherung gilt. In der Praxis sei das Thema aber weitaus komplexer, wie Plenk erläuterte. Gerade bei häufigem Arbeitgeberwechsel entstünden viele kleine, kaum noch nachvollziehbare Bausteine. „Wir brauchen hier ein einfaches, übertragbares System – nicht einen Flickenteppich“, fasst MdL Ebner zusammen. Die derzeitige Ausgestaltung schrecke viele Arbeitnehmer eher ab, als dass sie zur Vorsorge motiviere.
Ein weiteres zentrales Thema war die Rente mit 63. Helmut Plenk räumte in Bezug darauf mit einem Mythos auf, denn durch Abschläge von bis zu 14,4 Prozent plus Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung von rund 12 Prozent sowie die Besteuerung sei dieses Modell für viele faktisch nicht nutzbar. „Am Ende können sich das nur wenige leisten – obwohl es eigentlich ein Angebot für langjährig Beschäftigte sein sollte“, so Plenk.
Allerdings arbeiteten auch heute nur rund 45 Prozent der Menschen bis zur regulären Altersgrenze oder länger. Vielfältige Gründe spielen dafür eine Rolle, wobei laut Plenk das Betriebsklima in den Unternehmen ein entscheidender Punkt dafür sei, ob Menschen gesund und motiviert bis ins Rentenalter arbeiten könnten.
Einig waren sich Ebner und Plenk, dass die Debatte zu oft theoretisch geführt werde. „In den Kommissionen sitzen zu viele Theoretiker – wir brauchen mehr Praxiswissen“, sagte Plenk, der seit 35 Jahren im Sozialrecht tätig ist und mit dem VdK allein in Regen 13 Mitarbeiter, in Deggendorf weitere 12 Mitarbeiter führt.
Dr. Ebner griff auch die Frage der Finanzierung auf: „Unser Rentensystem steht enorm unter Druck. Die Menschen werden – glücklicherweise – älter. Gleichzeitig kommen auf einen Rentner immer weniger Beitragszahler, so dass das gesamte Finanzierungssystem ins Wanken gerät. Das System, wie wir es aktuell haben, ist nicht mehr zukunftsfest. Deswegen brauchen wir unbedingt eine Rentenreform, die dafür sorgt, dass die Rente gerecht, verständlich und auskömmlich ist.“
Aus Sicht von Helmut Plenk dürfe man nicht jede Diskussion über Beitragssätze tabuisieren. Wenn das System als gerecht empfunden werde, seien die Bürger durchaus bereit, ihren Beitrag zu leisten. „Warum soll der Beitragssatz nicht steigen dürfen, wenn es am Ende gerecht ist?“, so der VdK-Geschäftsführer. Immerhin habe sich auch die Rentenbezugszeit seit Einführung des Systems deutlich verlängert.
Dr. Ebner zog ein klares Fazit aus dem Gespräch: „Transparenz und Leistungsgerechtigkeit sind die wichtigsten Pfeiler in unserem gesamten Sozialsystem und vor allem bei der Rente. Genau hier müssen wir ansetzen – mit einfachen, transparenten Regeln und einem klaren politischen Rahmen.“ Er kündigte an, die angesprochenen Punkte – auch wenn die Ausgestaltung der Alterssicherung ein bundespolitisches Thema ist - in die weitere politische Diskussion einzubringen und sich insbesondere für mehr Verständlichkeit, faire Anerkennung von Lebensleistung und eine praxisnahe Ausgestaltung der Altersvorsorge starkzumachen.