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13.05.2026 | Viechtach

„Das macht einen schon ein Stück weit demütig“

MdL Stefan Ebner schlüpfte einen Vormittag lang in die Rolle des Altenpflegers

Der CSU-Landtagsabgeordnete Stefan Ebner tauschte am Montagvormittag Anzug und Krawatte gegen einen weiß-roten Pflegekasack und schlüpfte im Caritas Elisabethenheim Viechtach für einige Stunden in die Rolle eines Altenpflegers. Der Rollentausch fand im Rahmen der „Woche der Pflege und Teilhabe“ statt. Der Agenda-Arbeitskreis Soziales hatte gemeinsam mit dem Landkreis sowie zahlreichen Pflegeeinrichtungen verschiedene Aktionen rund um das Thema Pflege organisiert.

Auch die Mobilisation der Bewohnerin Therese Mahl gehörte zu den Aufgaben von MdL Stefan Ebner, die er gemeinsam mit Pflegefachkraft Belinda Kufner erledigte
Pünktlich zur Frühschicht wurde Ebner von der examinierten Pflegefachkraft und Praxisanleiterin Belinda Kufner empfangen. Nach der Einkleidung des „Praktikanten“ ging es direkt auf Station, wo zunächst bei zwei Bewohnerinnen die morgendliche Grundpflege anstand. Bewohnerinnen und Angehörige waren im Vorfeld über die Aktion informiert worden und hatten ihr Einverständnis gegeben.

Neben der Hilfe bei der Morgentoilette, dem Waschen, Eincremen und Anziehen der pflegebedürftigen Bewohnerinnen übernahm der Abgeordnete auch Mobilisationsmaßnahmen. Eine weitere Aufgabe, die Ebner laut seiner Mentorin „bravourös“ meisterte, war die Unterstützung beim Frühstück. Viel Geduld und Einfühlungsvermögen bewies er insbesondere im Umgang mit der 86-jährigen Bewohnerin Therese Mahl, der er beim Frühstück behilflich war.

Im Anschluss ging es gemeinsam mit mehreren Bewohnerinnen und Bewohnern in den Garten zur Seniorengymnastik, die von Betreuungskraft Heidi Schmucker geleitet wurde. Ebner machte alle Übungen engagiert mit und motivierte damit auch die Seniorinnen und Senioren, die Arm-, Bein- und Atemübungen besonders eifrig auszuführen.

Für viele Heimbewohnerinnen und -bewohner war der Besuch des Landtagsabgeordneten eine willkommene Abwechslung. Viel zu schnell verging der Vormittag, an dem sie dem Abgeordneten aus dem Bayerischen Landtag noch vieles zu erzählen gehabt hätten.

An der abschließenden Gesprächsrunde nahmen neben Stefan Ebner auch Heimleiter Markus Quappik, Praxisanleiterin Belinda Kufner, Pflegedienstleiterin Michaela Jäkel sowie die Vorsitzende des Heimbeirates und Bewohnerin Barbara Sixt teil. 

Heimleiter Markus Quappik bedankte sich bei Ebner für dessen Bereitschaft zum Rollentausch. Natürlich habe der Politiker nur einen kleinen Ausschnitt dessen erlebt, was täglich auf die Pflegekräfte einwirke. Zu den größten Herausforderungen zählten die umfangreichen Dokumentationspflichten, zahlreiche Prüfungen sowie der hohe Stress im Stationsalltag. „Wenn ständig das Telefon klingelt, mehrere Bewohner gleichzeitig Hilfe benötigen und trotzdem die Qualität hochgehalten werden muss, verlangt das den Pflegekräften enorm viel ab“, schilderte Quappik. Entscheidend sei letztlich, dass die Bewohnerinnen und Bewohner das Gefühl hätten, zuhause zu sein. Gleichzeitig wachse die Verantwortung des Personals stetig – auch in haftungsrechtlichen Fragen. 

Pflegefachkraft Belinda Kufner zeigte sich erfreut darüber, dass ein Politiker den Pflegeberuf aus nächster Nähe kennenlerne. Sie machte jedoch auch deutlich, dass Pflegekräfte in einer Frühschicht oftmals bei sechs bis acht Bewohnerinnen und Bewohnern die Grundpflege übernehmen müssten – zusätzlich zu Aufgaben wie täglichem Wiegen, Blutdruck- und Pulsmessungen, Medikamentenausgabe, Arzttelefonaten, Angehörigengesprächen und der zeitnahen Dokumentation. 

Heimbeiratsvorsitzende Barbara Sixt berichtete, dass sie bereits seit 14 Jahren im Elisabethenheim lebe und dies keinen Tag bereut habe. Sie sprach sich dafür aus, dass Politiker und Beamte nicht „vom grünen Tisch aus“ Gesetze beschließen sollten, sondern selbst einmal für längere Zeit in Pflegeeinrichtungen mitarbeiten müssten. Gleichzeitig bedauerte sie, dass früher oft mehr Zeit für Gespräche geblieben sei. Allerdings habe die Pflegebedürftigkeit der Bewohnerinnen und Bewohner in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. 

Pflegedienstleiterin Michaela Jäkel zeigte sich überzeugt, dass ein solcher Rollentausch nachhaltig wirken könne, und bewertete den Besuch Ebners äußerst positiv. Heimleiter Markus Quappik sprach zudem die aktuellen Probleme bei der Personalgewinnung an. Kritisch sehe man insbesondere den Einsatz von Pflegefachkräften über Zeitarbeitsfirmen, die Einrichtungen häufig zu hohen Kosten angeboten würden. 

Stefan Ebner zog am Ende des Vormittags ein positives Fazit. Er habe sehr viel gelernt und einen umfassenden Einblick in den Pflegealltag erhalten. Der Beruf verlange hohes Fachwissen, körperliche Belastbarkeit, gutes Zeitmanagement und vor allem Menschlichkeit. Auch der bürokratische Aufwand sei enorm.

Am meisten beeindruckt habe ihn jedoch die menschliche Komponente. „So ein Tag macht einen schon ein Stück weit demütiger“, sagte Ebner und sprach den Pflege- und Betreuungskräften seinen großen Respekt aus. Pflege sei nicht nur ein Beruf, sondern vielfach eine echte Berufung. Zudem habe er eine sehr gute Stimmung auf Station wahrgenommen.

Abschließend beschäftigte die Gesprächsrunde noch die Frage, wie Pflege in 20 Jahren angesichts des demografischen Wandels aussehen werde. Heimleiter Markus Quappik machte dabei deutlich, dass Robotik und Künstliche Intelligenz zwar unterstützen könnten, menschliche Pflege jedoch nicht ersetzen würden.